Ein Teller mit Smorrebrod, schön zubereitet, aber nicht zum Sattwerden geeignet

Radfahren in Kopenhagen

Radfahren in Kopenhagen – beinahe ein Selbstversuch

Kopenhagen ist Vorbild für die Förderung des Fahrradverkehrs in Städten. Regelmäßig reisen Verkehrsexperten in die dänische Hauptstadt um sich Anregungen für neue Verkehrskonzepte in den verstopften Innenstädten zu holen. Es klingt auch wirklich vorbildlich: Breite Fahrradwege und –spuren bieten viel Platz und die Möglichkeit, schnell vorwärts zu kommen. Große Teile der Innenstadt sind für Autos gesperrt bzw. sehr eng, der Autoverkehr wird konzentriert auf breiten Straßen an den Rändern der Stadtviertel geführt. Alle sind gelassen und ein entspanntes Miteinander prägt die städtischen Verkehrsteilnehmer. Soweit das Klischee, dies galt es im Selbstversuch zu überprüfen.

Extrem hohes Preisniveau

Im Mai durfte ich ein paar Tage mit der Familie in Kopenhagen verbringen, bei strahlendem Sonnenschein (der angeblich eher selten vorkommt) sind wir Stunden um Stunden durch die Stadt gelaufen, haben im Tivoli halsbrecherische Fahrgeschäfte bestaunt, standen mit Hunderten anderer Touristen vor der kleinen Meerjungfrau und für die Bildung gab es einen Besuch in der Glyptothek mit klassischer und moderner Kunst. Eine wirklich schöne Stadt, durch das aus unserer Sicht extrem hohe Preisniveau verfielen wir allerdings bald in den Sparmodus, was durchaus neue Perspektiven eröffnete. Ein reich belegtes preisgünstiges Baguette einer kleinen Snack-Kette lässt sich wunderbar unter einem schattigen Baum verzehren – und hält definitiv länger vor als das kunstvoll drapierte aber übersichtliche Smörrebrod (letztlich einfach ein belegtes Brot) im Museumscafé für umgerechnet 20 Euro. Wenn eine Achterbahnfahrt im Tivoli 10 Euro kostet, nachdem man schon einen gesalzenen Eintritt nur für das Betreten des Geländes bezahlt hat, verzichtet selbst der Sohn gerne und freiwillig darauf. Wir haben gelernt, dass auch das reine Zuschauen Spaß machen kann – ernsthaft!

 

Klare Regeln im Radverkehr

Neben Sightseeing und Bummeln war der Radverkehr natürlich ein Thema – schließlich ist das Fahrrad in unserem Alltag das wichtigste Verkehrsmittel. Wir wohnten recht zentral im bunten Viertel Norrebro, direkt an einer Straße mit wirklich viel Radverkehr. Von morgens bis abends zieht ein ununterbrochener Strom von Radlern dahin, hier kann man viel beobachten.

Auffällig ist, dass es klare Regeln gibt und sich tatsächlich fast alle daran halten: Immer schön rechts fahren, damit schnellere Radler überholen können. Das allgemeine Tempo ist hoch. Wer anhalten will, hebt die rechte Hand, damit niemand auffährt. An roten Ampeln hält man wirklich an. Kein Fußgänger geht über den Radweg, umgekehrt genauso. Wer sich daneben benimmt, bekommt lautes Klingeln zu hören. Und gefühlt alle Radler sind lässig elegant gekleidet und gleiten ebenso lässig dahin.

Angespanntes Miteinander

Doch auch beim Fahrradverkehr sind irgendwann Grenzen erreicht. Bei näherer Betrachtung ist das Miteinander der Verkehrsteilnehmer nicht immer so entspannt. Dem Autoverkehr wurde in der Vergangenheit Raum genommen, diesen gilt es zu verteidigen. Radfahrer, die auf der Straße und nicht auf dem Radweg fahren, werden sofort angehupt. Wenn Platz vorhanden ist, gibt man gerne richtig Gas. Fußgänger sind auch hier das schwächste Glied der Kette. Da die Fahrräder auf dem Fußweg parken, ist gehen im Slalom normal. Fassungslos waren wir, als wir an einer Bushaltestelle den Bus nicht besteigen konnten, weil wir nicht über den Radweg kamen, alle radelten in unvermindertem Tempo zwischen Haltestelle und Bus weiter. Der Bus fuhr ohne uns los.

Ach ja, der Selbstversuch. Wir hatten geplant, uns Fahrräder zu leihen und uns ins Getümmel zu stürzen. Fahrradverleihe und Leihstationen sind im Übermaß vorhanden. Nach zwei Tagen haben wir beschlossen, dass Laufen doch eine tolle Alternative ist. Der Anblick einer deutschen Familie mit zwei Kindern, die ziemlich verkrampft auf Rädern unterwegs war, bestärkte uns darin. Deshalb ist es nur beinahe zum Selbstversuch gekommen – das kostet auch weniger….

Nicole Klän

Blick auf den Fluss Spree am Abend, in der untergehenden Sonne ist der Ferrnsehtum zu sehen

Berlinreise mit Kindern

Berlinreise mit Kindern… zu Pfingsten…

Erstmalig wagen wir als Familie eine Bahnfahrt in die deutsche Hauptstadt. Unsere Kinder (im Alter von 6 bis 12) wachsen in der ländlichen Umgebung von Bonn auf – Stadtbesuche in Großstädten standen bisher nicht auf ihrem Programm. Ich habe mir Vieles im Vorfeld überlegt, mit Leuten gesprochen, verfüge über eine Ideenliste und einen gedruckten Stadtführer. Trotzdem möchte ich Raum für Spontanes lassen und die Stadt auf Augenhöhe der Kinder neu entdecken. Wir hegen nicht die Absicht, touristische Highlights „abzuarbeiten“.

Spreefahrt durch Mitte

Sehr unterhaltsam finde ich die Fahrt mit dem Berolina-Schiff über die Spree. Wir starten an der Jannowitzbrücke und erreichen in anderthalb Stunden das Schloss Charlottenburg. Bei warmer Witterung fassen wir an die zahllosen Brückendecken, die wenige Zentimeter über unseren Sonnenschutzkäppis vorbeigleiten. Baukräne zur Linken, spektakuläre Regierungsarchitektur zu beiden Seiten in Mitte – all das zieht im gemächlichen Tempo des Schiffsreisenden an uns vorbei. Wir lassen, wieder an Land, das hell glänzende Schloss Charlottenburg auf der Rechten liegen. Im waldigen Schlosspark ist das Mausoleum der Königin Luise mein Ziel – ich genieße den stillen Moment, umhüllt vom Rosenduft des davorliegenden Rondells. Alle Anderen, auch die unermüdlichen Jogger, scheinen derweil Schattenplätze aufzusuchen– das Wetter ist die ganze Woche sommerlich. Nach einem erfrischenden Bad im Schlachtensee (mit brütenden Blesshühnern zur Linken) genießen wir die warme Abendsonne im Loretta-Biergarten (S-Bahnhof Wannsee). Selbstbedienung mit Currywurst oder Matjes an Ofenkartoffel, kühle Getränke, das begeistert alle.

Wohnen im Hostel

Nur die Sehnsucht nach dem W-LAN lässt den 12-jährigen zum Aufbruch drängen. Ihn zieht es zurück in unser Hostel in Kreuzberg-Neukölln. Nahe des Ostbahnhofs gelegen, bietet das Hostel für uns einen guten Ausgangspunkt nach Mitte und Kreuzberg. Das Familienzimmer ist sauber und ruhig, niemand lärmt auf unserem Gang, der gerade mit einem neuen, stark ausdünstenden Teppich ausgekleidet wird. Vor dem hoch aufragenden Plattenbau, in der 24h geöffneten Lobby und im Frühstücksraum verliert man allerdings vor lauter Jugendlichen, die raumgreifend sich selbst inszenieren, schnell den Überblick. Das All-You-Can-Eat Büffet wird zum Suchspiel, bei dem die beiden Mädchen am ersten Tag keinen Bissen herunterbringen vor lauter Ablenkung.

Mit Bahn, Tram und Bus in der Stadt unterwegs

Das Gondeln durch die Stadt klappt von Tag zu Tag besser. Wir nehmen alle Verkehrsmittel, die sich uns mit dem AB-Tagesticket im stets flüssigen Takt bieten (Tram, Bus, S/U-Bahn, Zug, Schiff), um die Laufstrecken für die Kinder zu verkürzen. Wir lernen, auf aggressiv auftauchende Radfahrer an den Kreuzungen zu achten und uns über die knallbunten Leihfahrrädern kaum noch zu wundern. Wir schieben nach einem mehrstündigen Besuch im Naturkundemuseum (T-Rex, Planeten-Show, eingelegte Fische in Formalin, ausgestopfte Tiere in Farbenpracht, Mineralien zum Anfassen) einen Besuch bei Subway ein (am Tag zuvor waren wir sogar bei McDonalds.). Ihrerseits machen die Kinder unsere Besuche beim Inder in Charlottenburg und das Stäbchenessen (mit Lernhilfe) beim feinen Chinesen als Ausflug in eine andere Kultur klaglos mit…

Museumsbesuch 360 Grad

Wir besuchen am nächsten Tag das Jüdische Museum und werden für die Renovierung von zwei Gängen der Dauerausstellung fürstlich entschädigt: eine 15 Räume umfassende Sonderausstellung zu Jerusalem in seinen geschichtlichen, religiösen, politischen, städtebaulichen Dimensionen für die drei Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam) lädt zum Erforschen ein. Durch Audio Guide und Filme, historische Visualisierungen etc. ist das auch für 6-Jährige nicht langweilig (auch wenn die Teleskope nicht in Kinderhöhe angeboten werden). Gekrönt wird unser Besuch durch vier für Arte produzierte 360 Grad Videos über Szenen aus dem heutigen Leben in Jerusalem (Länge 6-7 Minuten), die wir mit VR Brille und Kopfhörer, den Kopf in alle Richtungen drehend, miterleben. Für mich und den 12-jährigen ein Highlight des gesamten Besuchs. Mein Fazit: Nächstes Jahr will ich wieder mit den Kindern eine Stadt besuchen, wie wäre es mit Paris? Und nach Berlin fahre ich dies Jahr bestimmt auch noch mal – auch wenn diese stets etwas großspurige Stadt mit ihrer Bautätigkeit, den Touristenmassen und dem kollabierenden Verkehr an ihre Grenzen gekommen ist.

Caroline Meynen