Blick auf Meer und Horizont

Den eigenen Horizont erweitern

Wir Deutschen gelten als Weltmeister im Reisen, gleichzeitig liegt ein Großteil der Reiseziele im eigenen Land. Das europäische Ausland folgt auf Platz 2 der Beliebtheitsskala, etwas weniger oft steht eine Fernreise an. 2017 zog es etwa 13 Prozent der Reisenden in die „echte“ Ferne. http://www.tourismusanalyse.de/zahlen/daten/statistik/tourismus-urlaub-reisen/2018/reiseziele-europa-2017/

Wir bewegen uns also vorwiegend im eigenen westlichen Kulturraum, auch bei mir ist das so. In eine wirklich andere Kultur eingetaucht bin ich noch nie, war bislang „nur“ in Europa unterwegs – und neige deshalb dazu, die westliche Sichtweise auf die Welt als die „normale“ und globale anzusehen. Vermutlich geht das den meisten Menschen so.

Immer wieder habe ich allerdings erfahren, dass man seinen Horizont erweitern und die Welt (auch unsere eigene kleine Privatwelt) aus anderen Perspektiven sehen kann, ohne sich aus der Stadt zu bewegen. Ein paar Beispiele:

Ein syrischer Bekannter, der seit mittlerweile zweieinhalb Jahren in Deutschland lebt, macht sich viele Gedanken über das Leben hier und tauscht sich gerne aus. Er bleibt gern an Details hängen und fragt mich, warum wir Deutschen immer eine Wasserflasche mit uns herumtragen? Ob uns irgendjemand gesagt hätte, dass man immer und überall sofortigen Zugriff zu einem Getränk haben muss? Ich muss zunächst lachen, aber seitdem fällt mir wirklich auf, dass bei Temperaturen über 20 Grad gefühlt die Hälfte der Bevölkerung eine große Plastikwasserflasche mit sich führt – als ob eine Unterbrechung der stetigen Wasserzufuhr gefährlich sei. Eine Kleinigkeit, aber irgendwie doch typisch für unser Streben nach Sicherheit und Planbarkeit.

Vor einiger Zeit waren einige chinesische Kollegen meines Mannes bei uns zu Besuch. In meinem Kopf stiegen Klischees von zurückhaltenden Asiaten auf… Kaum waren die Gäste angekommen schwirrten uns Fragen nach dem Preis unseres Hauses, nach unseren Einkommen und nach unserer Stimme bei der bevorstehenden Bundestagswahl um die Ohren. Wohl gemerkt, für mich waren das völlig fremde Menschen, wir haben uns an dem Tag erst kennen gelernt. Meine Klischees konnte ich abhaken und blicke auf unsere Geheimniskrämerei, was Geld und oft auch Wahlverhalten angeht, nun mit einem Schmunzeln.

Das sind kleine Anstöße, die meine Sichtweise verändert haben. Durch diese Begegnungen gelingt mir manchmal ein veränderter  Blick auf unsere westliche Gesellschaft. Ich kann besser begreifen, dass wir nicht das Maß aller Dinge sind.

Dazu noch ein Filmtipp: Tief beeindruckt hat mich der Film „Weit“, der 2017 in den Kinos lief. Ein junges Paar aus Freiburg hat sich auf den Weg nach Osten gemacht und ist so weit gereist, dass sie nach über drei Jahren von Westen her wieder zurückkamen. Sie waren vorwiegend per Anhalter unterwegs, auch per Schiff und später mit eigenem Fahrzeug. Unterwegs haben sie viele Menschen getroffen, haben mit ihnen gegessen, gesungen und gearbeitet – und haben einen wunderbaren Film daraus gemacht. Hier erlebt man, wie groß die Welt ist und wie vielfältig die Menschen. Und dass uns alle die Suche nach dem privaten Glück eint…

Nicole Klän

Lob der Liste

„Menschen lieben Listen“ – dieser Slogan eines Stuttgarter Automobilherstellers lässt mich schmunzeln. Ja, auch ich gehöre zu den entschiedenen Befürworterinnen der Liste. Der erwähnte TV-Spot spielte übrigens auf den Zugang zu erstrebenswerten Veranstaltungen an: die Einladungsliste, die Auswahlliste für einen Preis etc.

Was ich schätze, sind Listen – für den Tag, im Agentursprech gern „To-Do-Liste“ genannt. Befürworter des Zeitmanagements raten zu (am Vorabend erstellten) Tagesplänen nach der ALPEN-Methode. Das Akronym steht für Aufgaben – Länge – Pufferzeit –Entscheidungen – Nachkontrolle. In wenigen Minuten sollen damit für jeden Arbeitstag die Aufgaben realistisch erfasst sein, in ihrer Länge eingeplant und Entscheidungen getroffen werden, was höhere Priorität besitzt. Dies ist insbesondere für Freiberufler/innen wie mich oder Lehrer/innen sinnvoll, die zu bestimmten Zeiten ihre Arbeitszeit selbst einteilen können und nicht ständig vom Tagesgeschäft überrannt werden.

Noch bedeutsamer als die eher banalen Tageslisten, die gern nach beruflich/privat aufzuteilen sind, sind mir umfassende Checklisten – vor allem bei der mehrmonatigen Großveranstaltungsplanung. Wenn die Konzeption Gestalt angenommen hat, dann beginnt sich diese Liste mit vielen Details, Absprachen, Meilensteinen, Projektschritten und Zuständigkeiten zu füllen – und bekommt zum Teil eine beängstigende Kleinschrittigkeit, die Freigeister und Macher den Kopf schütteln lässt.

Mir geht es darum, meinen Kopf von diesen Details zu befreien, die sich sonst in unpassenden Momenten (vor dem Einschlafen, beim Weg von A nach B) zwischen wichtige Gedanken schieben. Außerdem möchte ich im Team für Austausch darüber sorgen, ob noch Punkte fehlen oder was mit Dritten in Telefonkonferenzen zu besprechen ist. Nach Zeiten der Abwesenheit oder Beschäftigung mit anderen Projekten wende ich mich wieder der Liste zu und stelle fest, was in der Zwischenzeit liegen geblieben ist oder an welcher Stelle der Ablauf noch hakt. Insofern hat die Liste eine disziplinierende und zugleich beruhigende Funktion: es ist an alles gedacht und das, was wir nicht beeinflussen können, werden wir vor Ort improvisieren.

Meine Listen werden meist in Standardprogrammen, wie Word oder Excel geführt und haben drei Spalten: wer –  was  – wann? Sie sind so verständlich gehalten, dass auch außenstehende Kollegen die Punkte weiter bearbeiten können. In der Tat muss die Zuständigkeit für das Pflegen der Liste (Aktualisieren nach Telefonaten) eindeutig geklärt sein, die restlichen Teammitglieder ergänzen. Klare Aufgabenzuständigkeiten und Fristen führen dazu, dass sich keine/r unbemerkt hinter der Fülle an Punkten verstecken kann (TEAM im Sinne von „Toll, Ein Anderer Machts!“). Probieren Sie es selbst – Sie müssen regelmäßig Zeit investieren, gewinnen aber ein Vielfaches an Überblick und Zeiteinteilung.

Caroline Meynen

Gemüse ohne Plastikverpackungen

Lost in Plastikverpackung

Ein Selbstversuch Im ortsansässigen Supermarkt: Den Einkaufszettel in der Hand gehe ich meine übliche Route. Erst die Obst- und Gemüseabteilung, dann vorbei an Nudeln und Brot zur Milch, mehrere Packungen jungen Gouda in den Korb packen, Butter dazu, vielleicht ein wenig Räucherlachs, dann den Blick senken und schnell vorbei an Snacks und Süßigkeiten zur Kasse. […]