Ein Selbstversuch

Im ortsansässigen Supermarkt: Den Einkaufszettel in der Hand gehe ich meine übliche Route. Erst die Obst- und Gemüseabteilung, dann vorbei an Nudeln und Brot zur Milch, mehrere Packungen jungen Gouda in den Korb packen, Butter dazu, vielleicht ein wenig Räucherlachs, dann den Blick senken und schnell vorbei an Snacks und Süßigkeiten zur Kasse. Erledigt!

Ökologischer Fussabdruck

Unzufriedenheit macht sich breit, denn immer mehr stört mich der Verpackungswahn der Lebensmittelhersteller. Loses Obst und Gemüse macht weniger als die Hälfte des Angebotes aus – Tomaten kommen in Styroporschale und Plastikverpackung daher, die Gurke hat eine enganliegende Folie übergestreift. Nach einem größeren Einkauf habe ich mitunter den halben Verpackungsmülleimer gefüllt. Nachhaltigkeit sieht anders aus, und ich habe schon den Anspruch an mich selbst, zumindest in kleinen Schritten meinen ökologischen Fußabdruck zu verbessern. (www.fussabdruck.de: Hier kann man seinen ökologischen Fußabdruck testen.)

Mit meinem Unmut liege ich voll im Trend, überall finden sich Bilder von vermüllten Stränden und im Müll verendeten Meerestieren. Die Gefahren von Mikroplastik in Nahrungsmitteln sind sozusagen in aller Munde. In deutschen Geschäften gibt es keine kostenlosen Plastiktüten mehr, was zu einer Senkung des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauchs von 42 auf 29 Tüten geführt hat. Ein Anfang.

Einkaufsroutinen durchbrechen

Letztlich liegt es an jedem selbst, die Plastikflut einzudämmen, zum Beispiel durch entsprechenden Einkauf. Die persönliche Erfahrung zeigt jedoch, dass dies doch nicht immer so einfach ist – oft steht mir meine auf Effizienz ausgerichtete Routine im Weg. Wir haben im Stadtteil einen gut sortierten Bioladen, so richtig mit Hof und eigenem Anbau. Dort ist alles Obst und Gemüse lose zu haben, die meisten anderen Produkte sind jedoch in den üblichen Plastikverpackungen vorhanden. Ich kaufe gerne hier ein, brauche aber nach wie vor den Supermarkt mit geringerem Preisniveau.

Kleiner eigener Beitrag

Ich bin entschlossen, Müll zu reduzieren, wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten. Den bei uns populären griechischen Joghurt gibt es auch im 1-Kilo-Eimer, und Honig (aus dem Glas) kann man selbst darüber gießen. Obst und Gemüse wirklich nur noch lose kaufen (REWE testet jetzt im Rheinland ein wiederverwendbares Frischenetz, das ich auch in andere Geschäfte mitnehmen werde). Käse von der Käsetheke nehmen, auf den Wochenmarkt gehen oder die Gemüsekiste vom Bioladen bestellen, Verpackungsboxen mitnehmen, Tomaten anbauen? Hier komme ich meiner Bequemlichkeit auf die Spur. Den spontanen Konsumverzicht als aktive Handlung und nicht als Einschränkung zu erleben, könnte eine weitere, innere Umstellung sein. Diese setzt einen konkreten Leidensdruck voraus oder bewusste Entschlossenheit. Ich bleibe dran und berichte weiter….

Nicole Klän